Kein Ende

Mein Schlafzimmer. Ein bisschen zu groß vielleicht. Auch das Bett dehnt sich. Ich komme mir klein vor. Insbesondere angesichts des Tigers, der die Schlafdecke mit mir teilt. Er sieht nicht freundlich aus. Ich erkläre ihm, er sei mein absoluter Favorit in der Tierwelt. Bin mir nicht sicher, ob ihn das beschwichtigt. Vorsichtshalber ziehe ich mich zurück. Der Blick aus seinen grünen Augen folgt mir, derweil ich unter die Decke krieche. Mit den Füßen voran. Meine Zehen suchen nach dem Ende des Bettes. Neben mir der Leib der großen Katze. Muskeln spielen selbst dort, wo ich keine vermutet hätte. Färben das Gelb zwischen den Streifen in ein warnendes Feuerrot. Ich lege eine Rast ein, betaste meinen Bizeps und beschließe, weiterzusuchen. Einmal glaube ich, den Bettrand gefunden zu haben. Mein großer Zeh meldet: Zu früh gefreut! Hunderte von Metern bin ich schon geflüchtet. Endlich entdecke ich eine Pranke. Der Tiger könnte nun ein Ende haben. Doch stattdessen beginnt er von vorn. Noch krieche ich weiter, während mir die Glieder schwer werden. Und langsam begreife ich, warte, dass mich der Morgen befreit.

Balkon

Abendliches Grab. Alles still. Weit hinten schläft der Wald. Wenn er blinzelt, sieht er seine Kinder. Sie wachsen in der Baumschule. Heimlich. Nicht wahrnehmbar für mich. Wie die Grillen. Es zirpt. Wer weiß schon, woher? Verewigte Spur des abwesenden Traktors. Im wellenlosen Meer aus Korn. Die Wellen sind in die Baumkronen gekrochen. Getrieben vom müden Wind spielen sie mit den Blättern. Kindisch. Die wogenden Höschen. Sie erinnern an die nachmittägliche Mutter, die die Wäscheleinen weckte. Ich denke an ihre runden Formen, freue mich auf die noch kleineren Höschen, die bald schon die Leine schmücken. Kündend vom ewigen Fortgang des Lebens.

Lauschen

Sie lag im Bett und lauschte, denn für einen winzigen Moment hatte sie geglaubt, ihn zu hören, als er ihr ins Ohr schnarchte. Lächelnd träumte sie sich in den Schlaf. Doch am Morgen, mit der Zeitung am Frühstückstisch, war er wieder nur der andere.